Offener Brief an BUND

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat in seiner Pressemitteilung vom 9. Dezember 2009 die Behauptung aufgestellt, „Deutschlands Umgang mit seinen Wäldern [sei] kein Vorbild für Kopenhagener Verhandlungen“. Lesen Sie die Antwort des BDF an den Bundesvorsitzenden des BUND Prof. Dr. Weiger.

"Sehr geehrter Herr Prof. Weiger,

mit Befremden haben wir Ihre Pressemitteilung vom 9.12.2009 über die Ergebnisse der Inventurstudie 2008 und die Schlussfolgerungen in Bezug auf die Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen zur Kenntnis genommen.

Vor nunmehr zwei Jahren wurde auf Bestreben des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR) und des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) ein Dialogprozess in Gang gesetzt, um Gemeinsamkeiten zwischen Verbänden und Institutionen des Naturschutzes und der Forstwirtschaft herauszuarbeiten und im Dialog Gegensätze abzubauen. Dass dieser Weg durchaus erfolgreich sein kann, zeigte nach Aussage aller Beteiligten die unlängst stattgefundene Exkursion nach Templin, bei der auch Ihr Verband vertreten war. Dieser Dialogprozess trifft nicht überall auf Zustimmung. Auf beiden Seiten (Naturschutz und Forstwirtschaft) wurden und werden Stimmen laut, die die Ernsthaftigkeit der jeweils anderen Seite in Frage stellen. Bedauerlicherweise sind die von Ihrem Verband herausgegebenen Verlautbarungen eher dazu geeignet, diese Vorbehalte zu schüren.

Glauben Sie im Ernst, dass die Holznutzung an sich bereits der CO2 -Speicherfunktion des Waldes
entgegen wirkt? Deutschland weist europaweit mit den höchsten Holzvorrat auf. Dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, und daher die Zuwachsraten eine natürliche Grenze aufweisen, ist doch hinlänglich bekannt. Es besteht politische Einigkeit in dem Ziel, die CO2 -Speicherung in Holzprodukten auch im Kyoto-Nachfolgeprozess anerkennen zu lassen. Die Tatsache an sich bestreitet niemand. Sie aber schreiben: „In Westdeutschland nimmt der Wald bereits überhaupt kein weiteres klimaschädliches CO2 mehr auf.“ und: “Damit mehr CO2 im Wald gebunden werden kann, müssen mehr Bäume und Holz im Wald verbleiben.“
Was zählt ist doch die Summe des durch die Holzproduktion gespeicherten Kohlenstoffs. Sie jedoch sehen nur den Holzvorrat, solange er im Wald steht.

Sie mahnen die Begrenzung der energetischen Holzverwendung an, weisen auf ökologische Nachteile hin. Dass mit dieser Art der Holzverwendung die Anreicherung der Atmosphäre mit zusätzlichem CO2 vermindert wird, bleibt hingegen unerwähnt.
Darüber hinaus negieren Sie die Anstrengungen tausender Forstleute in Deutschland, durch naturnahe und nachhaltige Waldwirtschaft den wertvollsten nachwachsenden und klimaneutralen Rohstoff auf schonende Weise zu erzeugen, zu ernten und einen klimastabilen Wald zu erziehen. Sie würdigen damit sogar den Lebensinhalt der Menschen herab, die im Wald arbeiten, und berauben sie, zunächst nur verbal, ihrer Lebensgrundlage.

Die Festschreibung international verbindlicher Klimaschutzziele scheitert immer wieder an den Partikularinteressen nationaler Regierungen. Gerade die Umweltverbände wie der BUND mahnen völlig zu Recht ein Umdenken und gemeinsame Anstrengungen an. Mir völlig unverständlich ist jedoch, warum Sie auf nationaler Ebene Alles daran setzen, ein solches Zusammenrücken durch oberflächliche und einseitige Berichterstattung zu verhindern. Der BDF hat sich zum Ziel gesetzt, den Dialog auch zu den einzelnen Naturschutzverbänden aufzunehmen. Lassen Sie uns die Probleme konstruktiv und zielorientiert angehen, anstatt durch solcherlei Presseverlautbarungen bestehende Gräben zu verbreitern.
Mit freundlichen Grüßen

Hans Jacobs
BDF Bundesvorsitzender"

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