Neue Paragrafen für den Wald

ReichstagDer Bund Deutscher Forstleute (BDF) begrüßt die wieder in Gang gekommene Novellierung des Bundeswaldgesetzes (BWaldG). Der zuletzt durch entgegengesetzte Parteiinteressen verschleppte Prozess zur Schaffung eines zeitgemäßen BWaldG ist wieder in Gang gekommen. Der eingebrachte Entwurf des Bundesrats und die Vorschläge der Regierungskoalition lassen jedoch nach wie vor die soziale Komponente des Nachhaltigkeitsgedankens außen vor. Der BDF fordert vor diesem Hintergrund die Festschreibung des Einsatzes von fachlich qualifiziertem Forstpersonal und der Schaffung von Reviergrößen, deren Waldfläche die Erfüllung der umfänglichen Aufgaben möglich macht.

Am vergangenen Montag, den 07.06.2010,  fand im Deutschen Bundestag die öffentliche Anhörung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zur Novellierung des BWaldG statt. Der BDF hatte bereits im Vorfeld in Einzelgesprächen mit den Obleuten für Forstpolitik und Wald der jeweiligen Fraktionen die eigenen Standpunkte für eine gelungene und den heutigen Anforderungen angepasste Novellierung besprochen. Dies wurde durch Informationen an die Mitglieder des Ausschusses weiter untermauert.
„In vielen Punkten herrscht bereits Einigkeit“, resümiert Hans Jacobs, Bundesvorsitzender des BDF. Die Trennung von Kurzumtriebsplantagen und Agroforstsystemen vom Begriff des Waldes ist Konsens, stellen erstere doch auf eine reine Holzerzeugung auf landwirtschaftlichen Flächen ab. Die Entschärfung der Rechtslage für Waldbesitzer in Bezug auf die Verkehrssicherungspflicht findet ebenso Anhänger über alle Parteien hinweg, entstehen doch durch das Ökosystem Wald und seine naturnahe Entwicklung an sich bereits zahlreiche Gefahren. Zur Mobilisierung der Holzreserven im Kleinstprivatwald ist die Stärkung übergeordneter Strukturen, wie den Forstwirtschaftlichen Vereinigungen, ebenfalls gemeinsames Ziel.

Knackpunkte bilden die Überlegungen zur Einbindung der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt, der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie oder die Formulierung von Standards der „guten fachlichen Praxis“.
Der BDF sieht die Notwendigkeit einer Gesamtstrategie, die allen gesellschaftlichen und politischen Anforderungen gerecht wird, nimmt aber Abstand von einer gesetzlichen Formulierung. Hier sollten vielmehr auf Freiwilligkeit basierende Mechanismen entwickelt werden.
Darüber hinaus kristallisiert sich heraus, dass viele aktuelle Probleme konkret an zu wenig qualifiziertem Personal kranken. „Mobilisierung von Nutzungsreserven in Einheit mit Waldumbau und der Schaffung klimaangepasster Wälder, Vollzug der bestehenden Gesetzmäßigkeiten zur Waldwirtschaft oder die Erfüllung steigender Anforderungen an den Wald sind nur mit ausreichend qualifiziertem Forstpersonal umsetzbar“, so Jacobs.

Der BDF fordert im Rahmen der Novellierung des Bundeswaldgesetzes daher die Festschreibung von Mindestqualifikationen für Forstpersonal, angepasste Reviergrößen und ausreichend Qualifikationsmöglichkeiten für die jeweiligen Absolventen der Hochschulen.