Forstwirtschaft trifft Naturschutz

Im Streit um das „richtige“ Zertifizierungssystem für den deutschen Wald fordert der Bund Deutscher Forstleute (BDF) zu konstruktiven Gesprächen auf, statt über Pressemitteilungen Schlagwörter auszutauschen. Als Mittler zwischen Forstwirtschaft und Naturschutz ist der BDF immer bestrebt, Kompromisse zu finden und in der Diskussion die verschiedenen Standpunkte auszutauschen. Der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) und der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) sollten die aktuellen Probleme gemeinsam bewältigen.

In einer Pressemitteilung vom vergangenen Montag, den 08.02.2010, sprach sich der DFWR gegen das FSC-Zertifizierungssystem (Forest Stewardship Council) für den öffentlichen Wald aus, da dieses den Klimaschutz hemmen würde.

Insbesondere das Referenzflächensystem, durch das fünf Prozent der Waldfläche eines Betriebes still gelegt werden, würde den Klimaschutzeffekt bewirtschafteter Wälder einengen und wirtschaftliche Einbußen mit sich bringen. Die Kriterien der FSC-Zertifizierung werden als ideologische Forderungen bezeichnet.

Der NABU hielt am 09.02.2010 prompt dagegen und kritisiert die rein rohstofffixierte Sicht und betont die Synergien zwischen Natur- und Klimaschutz in ungenutzten Wäldern.

Darüber hinaus wird allein den FSC-Standards ein hoher Anspruch bescheinigt und dem PEFC-Zertifikat (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) ein geringer.

Der BDF unterstützt ausdrücklich beide Systeme und engagiert sich in deren Gremien für die Etablierung, Berücksichtigung und Einhaltung der sozialen Kriterien. „Zertifizierung im Wald ist wichtig, um eine Forstwirtschaft zu garantieren, die alle drei Säulen der Nachhaltigkeit vorbildlich erfüllt. Sowohl die ökonomischen, ökologischen und sozialen Funktionen der Wälder müssen erhalten und integrativ durch die Forstwirtschaft berücksichtigt werden“, erläutert Hans Jacobs, Bundesvorsitzender des BDF.

In verschiedensten Studien werden unterschiedliche Wirkungen einer flächigen Nullnutzung auf die CO2-Speicherung und damit auf den Klimaschutz konstatiert. Weitere Kritikpunkte betreffen die Zertifizierung von Plantagen auf ehemaligen Urwaldstandorten. Es fällt alles andere als leicht, das eine oder andere System als das bessere herauszustellen.

„Letztendlich ist es eine Eigentümerentscheidung, ob und durch welches System man den eigenen Forstbetrieb zertifizieren lässt und diese Entscheidung ist absolut freiwillig“, betont Jacobs. “Wichtig ist, dass ungeachtet der zunehmend marginalen Unterschiede zwischen den beiden großen Zertifizierungssystemen möglichst viele Wälder überhaupt zertifiziert und damit die Grundsätze einer umfassenden nachhaltigen Forstwirtschaft dokumentiert werden.“

Der BDF, der sich auch als Mittler zwischen Forstwirtschaft und Naturschutz versteht, ruft den DFWR und den NABU auf, sich in konstruktiven Gesprächen über die unterschiedlichen Meinungen zu verständigen und einen Konsens zu finden.
Dies ist auch vor allem wichtig, um beide Systeme weiter fortzuentwickeln.

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