Forstliche Taschenspielertricks

Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) äußert sich in einer Entgegnung zum NRW-Bürgerwald-Konzept des NABU NRW. Durch die öffentliche Berichterstattung werden darin geäußerte Halbwahrheiten und unfachliche Beiträge manifestiert. Der BDF wendet sich ausdrücklich gegen die Privatisierung von Staatswald, der den wichtigsten Beitrag für die Erfüllung der Gemeinwohlfunktionen des Waldes leistet und die weitere Segregation von Schutz und Nutzung des Ökosystems. Darüber hinaus fordert der BDF dazu auf, den vom Bundesamt für Naturschutz initiierten Dialogprozess zur Förderung des Naturschutzes im Wald weiter zu betreiben und sich nicht in Einzelaktionen zu verzetteln.

In der vergangenen Woche wurde das Bürgerwald-Konzept des Naturschutzbund Nordrhein-Westfalen (NABU NRW) veröffentlicht, das eine Privatisierung des Staatswaldes des Bundeslandes fordert. So sollen 120.000 ha zu einem Fünftel vorrangig Naturschutzzielen dienen und die restlichen vier Fünftel in einer Bürgerwald-AG mit hohen Gewinnen bewirtschaftet werden. Das Waldexperiment soll auch für andere Bundesländer beispielgebend sein.

Der BDF spricht sich eindeutig gegen eine Privatisierung von Wäldern in öffentlichem Besitz aus. Diese dienen in besonderem Maße der Erfüllung der Gemeinwohlfunktionen des Waldes. „Wälder in privatem Eigentum sind vorwiegend einseitig ökonomisch ausgerichtet und dienen verständlicherweise vorrangig einem positiven Betriebsergebnis“, erläutert Hans Jacobs, Bundesvorsitzender des BDF. „Die Verwalter und Bewirtschafter der öffentlichen Wälder schultern jedoch eine Vielzahl weiterer Aufgaben, die vorwiegend Geld kosten, als dass sie einen direkten Ertrag bringen. Der gesellschaftliche Mehrwert lässt sich jedoch in jedem Fall messen“, so Jacobs weiter.
Der SPIEGEL spricht in seiner Ausgabe vom 17.05.2010 richtigerweise vom „Verkauf der Seelenheimat“. Die Autorin scheint dem Konzept aber wohlwollend gegenüber zu stehen. Leider hat sie sich nicht mit einem Vertreter des gescholtenen aufgeblähten Beamtenapparates auseinander gesetzt.

Im Konzept der Bürger-Wald-AG soll der Landeswald, der sich bereits im Eigentum des Volkes befindet, ein zweites Mal an die Gesellschaft verkauft werden. Einige, vergleichsweise wenige, potente neue Eigner und der NABU mit Sperrminorität befinden dann über Tausende Hektar ehemals öffentlichen Wald. Die neue schlanke AG soll dann die üppigen Vorräte an Holz mit hervorragender Rendite ernten. Ganz entgegen eines Konzeptes für mehr Naturschutz im Wald, das eine hohe Personalintensität und geringere Holznutzung bedeuten muss, lässt dieses geplante Vorgehen Massenentlassungen und Raubbau an der Natur vermuten. Der Verkauf des Waldes der Landeskinder Nordrhein-Westfalens wird einen Aufschrei in der Bevölkerung provozieren, denn dieser und des durch sie legitimierten Parlaments würde eine zukünftige Einflussnahme unwiederbringlich verloren gehen. 

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