Thüringer Forstverwaltung steht vor Ausverkauf

Der Staatssekretär des Thüringer Ministeriums für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz (TMLFUN), Roland Richwien, will Teile der Thüringer Landesforstverwaltung privatisieren und riskiert damit die Zerschlagung einer überaus leistungsfähigen Verwaltung. Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) fordert das Ende der beabsichtigten Ausgründung einer gewinnorientierten Forst-GmbH mit überalterten Waldarbeitern. Das Vorhaben ist widersinnig, unsozial und unfair.

Am vergangenen Freitag (22. Januar 2010) eröffnete der Staatssekretär des TMLFUN dem Hauptpersonalrat (HPR) sein Vorhaben, die staatlichen Waldarbeiter und weiteres für den operationalen Bereich der Waldbewirtschaftung notwendiges Verwaltungspersonal in eine in Landesbesitz befindliche GmbH auszugliedern. Über andere, weit weniger drastische Modelle habe er nach Auskunft des HPR nicht nachgedacht.

In der Kabinettsklausur am 25. Januar 2010, sollte das Vorhaben durchgewinkt werden. Anlässlich einer Demonstration am heutigen Mittwoch, um 13 Uhr, vor dem Thüringer Landtag in Erfurt stellt sich eine breite Front von Unterstützern der Fachgewerkschaften gegen die desaströsen Pläne des Staatssekretärs. Wie schon bei den Straßenbetriebsdiensten, die sich nach Ausgründung in einer GmbH auf dem harten freien Markt bewähren mussten, wird erwartet, dass dies nicht zu Einsparungen, sondern zu Ausgabenerhöhungen und in der Folge zu Personalabbau führt.

Andreas Schiene, Landesvorsitzender des BDF in Thüringen, erläutert: „Den bisher im Landesdienst arbeitenden Forstwirtinnen und Forstwirten mit einem Altersdurchschnitt von nahezu 50 Jahren soll für ihre jahrelange aufopfernde und gefährliche Arbeit im Wald gedankt werden, indem sie nun nach einer Quasiprivatisierung den eisigen Wind einer rein gewinnorientierten Organisation spüren und sich in dieser bewähren müssen. Sollte der Einzelne hierbei scheitern, droht ihm die Kündigung.“

Der BDF betont, dass der öffentliche Wald dem Gemeinwohl in besonderer Weise verpflichtet ist und es daher notwendig ist, diesen durch öffentlich angestellte Forstbeschäftigte ohne rein ökonomische Zwänge zu bewirtschaften. Die Bewältigung großer Naturkatastrophen, wie zuletzt der Sturm Kyrill, zeigt, wie leistungsfähig die Thüringer Forstverwaltung ist. Einstellungsstopps und eine immer knapper werdende Personaldecke torpedieren dies jedoch stetig.

Für die Erfüllung der zukünftigen Aufgaben – wie dem Aufbau eines klimastabilen gemischten Waldes, der Abwendung weiterer Katastrophen und der Versorgung der Wirtschaft mit dem wertvollen Rohstoff Holz – bedarf es keiner abenteuerlichen Umstrukturierungsmodelle, sondern eines nachhaltigen Personalmanagements mit ausreichendem Einstellungskorridor. Dies steht auch im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung.

Der BDF fordert eine verantwortungsvolle Politik mit wachem Blick auf die Beschäftigten, die Erhaltung öffentlicher Arbeitsplätze im strukturschwachen ländlichen Raum und die Beibehaltung und Stärkung der Einheitsforstverwaltung in Thüringen.

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