Demografie - dbb Chef: Öffentlicher Dienst braucht "Willkommensphilosophie" für Fachkräfte

Um den demografischen Problemen wirksam zu begegnen, braucht der öffentliche Dienst in Deutschland tiefgreifende Veränderungen. Darauf hat der dbb Bundesvorsitzende Peter Heesen hingewiesen. So müsse sich der Arbeitsmarkt auch in diesem Bereich stärker für Menschen aus anderen Ländern öffnen. "Der Bürokratismus, der häufig noch der Gewinnung ausländischer Fachkräfte im Wege steht, muss abgebaut werden", forderte Heesen auf dem 7. Demografie-Kongress des Behörden Spiegel am 5. September 2012 im dbb forum berlin. "Viele, die gut sind, werden nicht auf den deutschen Arbeitsmarkt gelassen, weil die Bürokratie bei der Prüfung ihrer Berufsabschlüsse sie daran hindert. Das können wir uns nicht länger erlauben." Der dbb Chef forderte den öffentlichen Dienst auf, stattdessen eine "Willkommensphilosophie" für Fachkräfte zu entwickeln.

Heesen verwies auf den gewaltigen Personalabbau im öffentlichen Dienst. Seit 1993 sei die Zahl der Beschäftigten von 5,3 auf unter 3,6 Millionen gesunken. Zudem müssten 760.000 Beschäftigte, die in den nächsten Jahren aus Altersgründen ausscheiden, ersetzt werden – trotz Personalmangels auf dem Arbeitskräftemarkt. "Ein weiterer Stellenabbau ist ausgeschlossen", machte Heesen klar. Da der öffentliche Dienst angesichts der Haushaltslage nicht wie die Wirtschaft mit besserer Bezahlung punkten könne, müsse nach Alternativen gesucht werden, um eine Beschäftigung für junge Leute attraktiv zu machen. "Zwar ist die Sicherheit des Arbeitsplatzes immer noch ein großes Pfund, aber wir müssen uns auch bei der Ausgestaltung der Arbeitsplätze bewegen." Zu wenig sei bislang auch getan worden, um eine Verlängerung der Lebensarbeitszeiten zu ermöglichen. "Hier sollte es weniger starre Regelungen und mehr Flexibilität geben", mahnte der dbb Chef. Möglichkeiten, beim Wechsel vom öffentlichen Dienst in die Wirtschaft und umgekehrt Altersversorgungsansprüche mitzunehmen, müssten ausgebaut werden: "Wir brauchen das vor allem in Bereichen wie IT, Ingenieur- und Naturwissenschaften, wo der öffentliche Dienst schon heute schlecht aufgestellt ist." Heesen sagte, insgesamt seien "Mut und Gestaltungskraft" notwendig, und fügte hinzu: "Wenn wir uns nicht umstellen, dann werden wir umgestellt."