Missionare der Nachhaltigkeit

Missionare der NachhaltigkeitAm vergangenen Freitag, den 23.11.2012, fand in Göttingen die erste "Zukunftskonferenz Forstliche Hochschulausbildung" statt. Der Bund Deutscher Forstleute (BDF), Vertreterinnen und Vertreter von Hochschulen, Studierenden und Arbeitgebern nahmen den Stand der forstlichen Ausbildung in Deutschland unter die Lupe und wagten einen Blick in die Zukunft. Der absehbare Personalumbruch in Forstbetrieben und –verwaltungen schafft neue Herausforderungen. Er erfordert zum Einen die Vermittlung forstlicher Kernkompetenz im Studium, eine erhöhte Praxisnähe und die Stärkung sozialer Schlüsselqualifikationen. Andererseits muss die wissenschaftliche Qualität und Breite des Studiums aufrecht erhalten werden, um allen Studierenden gute Chancen auf dem gesamten Arbeitsmarkt zu bieten.

Der BDF veranstaltete Ende vergangener Woche die erste Zukunftskonferenz Forstliche Hochschulausbildung. "Es war überfällig, Hochschulen, Arbeitgeber und Studierende an einen Tisch zu holen, um über Chancen und Risiken zu reden", so Hans Jacobs, Bundesvorsitzender des BDF.

Nach Jahrzehnten von Einstellungsstopps in den öffentlichen Verwaltungen und Forstbetrieben – früher Hauptarbeitgeber forstlicher Absolventen – hatten die Hochschulen reagiert und ihre Ausbildung breiter ausgerichtet und neue Abschlüsse kreiert. Sie verbesserten so die Einsatzbereiche der Studierenden und deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Der Bologna-Prozess machte den Markt der Abschlüsse mit der Einführung von Bachelor und Master noch unübersichtlicher.

Seit einigen Jahren kritisieren die Forstbetriebe die mangelnde Eignung der Absolventen und fordern die Rückkehr zur forstlichen Kernkompetenz. Dieser Forderung schließt sich der BDF an. Dies müsse jedoch damit einhergehen, dass der forstliche Ar-beitsmarkt wieder interessant für die Absolventen ist. Mit einer guten Bezahlung, attraktiven Arbeitsbedingungen und Perspektiven für die Personalentwicklung müssen sich die forstlichen Arbeitgeber fit machen für den Wettbewerb um die besten Köpfe.

"Den Hochschulen muss wiederum klar sein, dass in den nächsten Jahrzehnten eine beispiellose Einstellungswelle durch Deutschland schwappt, die potentieller Arbeitgeber für einen Großteil der fertigen Forstwirtschaftler oder –wissenschaftler sein wird", erläutert Jacobs.

Um die Bewirtschaftung der Wälder und die nachhalti-ge Erfüllung aller Leistungen des Waldes gleichermaßen sicherzustellen, bedarf es sehr gut ausgebildeter Experten. Die jetzt auf Initiative des BDF gestartete Diskussion aller in diesem Prozess Beteiligten soll gemeinsam Bewusstsein für die sich verändernden Rahmenbedingungen für den forstlichen Arbeitsmarkt und die forstliche Hochschulausbildung schaffen. Mit den auf der Zukunftskonferenz entwickelten Visionen will der BDF einen Beitrag dazu leisten, dass die forstliche Hoch-schulausbildung langfristig zukunftsträchtig bleibt.

Forstleute sind Missionare der Nachhaltigkeit und Res-sourcenmanager. Die Absolventen der forstlichen Hochschulen werden künftig nicht nur reine "Forstwirte" sein können. Dies bleibt jedoch ein wichtiger Zweig mit qualitativ hochwertiger Ausbildung und attraktiven Arbeitgebern.

Um die Zukunftsvisionen Wirklichkeit werden zu lassen, wird der BDF mit allen Beteiligten weitere Workshops und Diskussionsformate veranstalten und moderieren. Die bessere Vernetzung und stete Kommunikation miteinander war am Ende für alle Beteiligten das wichtigste Ergebnis der Zukunftskonferenz. Der BDF ist in diesem Sinne gerne Prozesstreiber und freut sich auf die nächsten Veranstaltungen.

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