Nachhaltigkeit – eine Idee der deutschen Forstwirtschaft wird 300 Jahre alt

Klaus Töpfer, ehemaliger Direktor des UN-Umweltprogramms der Vereinten Nationen Foto: BDF

Leipzig, 14. März 2013: Vor 300 Jahren (1713) wurde der Begriff der „Nachhaltigkeit“ durch den sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz in seinem grundlegenden forstwirtschaftlichen Werk, der „Sylvicultura oeconomica“, erstmals eingeführt. Aus diesem Anlass wurde die Neuauflage des historischen Werkes heute auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt.

Mit der „Sylvicultura oeconomica“ wollten die Forstleute die fortschreitende Vernichtung der Wälder durch Raubbau stoppen. Die Kurzformel der forstlichen Nachhaltigkeit lautete einprägsam: „Nicht mehr Bäume nutzen als nachwachsen“. „Dieses ursprünglich wirtschaftliche Leitbild hat in jüngerer Zeit Karriere gemacht und beginnt, sowohl das ökonomische als auch das ökologische Denken zu verändern“, sagte Prof. Klaus Töpfer, ehemaliger Direktor des UN-Umweltprogramms der Vereinten Nationen, anlässlich des 300jährigen Jubiläums. Die Idee der Nachhaltigkeit wurde mit der Buchveröffentlichung zum Ausgangspunkt der systematischen Einführung einer nachhaltigen Forstwirtschaft in Deutschland. „Diese nachhaltige Forstwirtschaft ist weltweit beispielhaft“, so Klaus Töpfer.

„Andererseits“, gab Töpfer zu bedenken, „reagierte von Carlowitz primär auf die Knappheit der Ressource ‚Holz‘ in seiner Zeit, und infolgedessen kann auch in Fichtenmonokulturen, die schneller und kalkulierbarer nachwachsen, eine Antwort auf die Herausforderung der Knappheit gesehen werden.“ In dem Maße, wie Nachhaltigkeit Eingang in das politische Handeln fand, hat die heimische Forstwirtschaft das Nachhaltigkeitsprinzip kontinuierlich weiterentwickelt. Dies geschah vor dem Hintergrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und der sich verändernden, gesellschaftlichen Bedürfnisse. „Ich bin froh, dass die Forstwirtschaft in der Bevölkerung als die Branche erkannt wird, die die wachsenden und zum Teil konkurrierenden Anforderungen an den Wald bestmöglich und nachhaltig erfüllt. Denn nur die Forstwirtschaft verbindet die ökonomische, die ökologische und die sozio-kulturelle Dimension der Nachhaltigkeit im deutschen Wald“, so Carsten Wilke, Mitglied im Präsidium des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR).

Der naturnahe Waldbau ist eine konsequente Fortentwicklung des ursprünglichen Nachhaltigkeitsprinzips. Das heutige Ergebnis dieser Anstrengungen ist die hohe Qualität der Wälder, die gut gerüstet sind, um sich auch auf den Klimawandel einzustellen. „Für die Forstwirtschaft gilt die Aufgabe, neben der sicheren Versorgung der Wirtschaft und der Bevölkerung mit dem Rohstoff Holz als wichtigen Baustoff und CO2-neutralen Energieträger, den Lebensraum Wald mit seiner besonderen biologischen Vielfalt zu erhalten und zu pflegen sowie seine Schutzwirkungen für Boden und Grundwasser und die vielfältigen Erholungsmöglichkeiten für die Bevölkerung zu erhalten“, so Wilke.

Klaus Töpfer appellierte an die Forstleute, nicht in ihrem Bemühen nachzulassen, die nachhaltige Nutzung fortzuentwickeln und für gelingende Nachhaltigkeit ein Beispiel zu geben. „Es gibt sowohl bei uns als auch weltweit noch sehr viel zu tun, um dieses Prinzip in den verschiedenen Lebensbereichen zu etablieren. Ob in der Finanzwirtschaft, in den öffentlichen Haushalten, in den Produktionsprozessen, in der Energiewirtschaft und in den sozialen Sicherungssystemen,“ sagte der UN-Umweltexperte Klaus Töpfer. “Die aktuelle Finanzkrise hat eindrucksvoll gezeigt, welche Folgen eine Missachtung der Nachhaltigkeit in der Wirtschaft hat.“

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