10. Frauenpolitische Fachtagung des dbb
Dauderstädt: Mangelnde Chancengleichheit von Frauen mit gewerkschaftlichem Gewissen unvereinbar

10. Frauenpolitische Fachtagung des dbb Foto: Marco Urban

Eine Benachteiligung von berufstätigen Frauen gegenüber ihren männlichen Kollegen im öffentlichen Dienst ist „mit dem gewerkschaftlichen Gewissen des dbb nicht vereinbar“. Das hat der Bundesvorsitzende der Organisation, Klaus Dauderstädt, zum Auftakt der 10. Frauenpolitischen Fachtagung de dbb am 19. März 2013 in Berlin betont. Trotz der für den öffentlichen Dienst in Deutschland vorhandenen klaren Regularien gebe es noch immer signifikante Unterschiede.

„Dabei geht es nicht um die Bezahlung, denn auch in öffentlichen Verwaltungen verdienen Frauen im Schnitt acht Prozent weniger als ihre Kollegen. Es geht aber auch um gleiche Chancen zum beruflichen Aufstieg“, stellte Dauderstädt fest.

Das Statistische Bundesamt hatte am selben Tag darauf verwiesen, dass der Verdienstabstand zwischen den Geschlechtern (Gender Pay Gap) sich seit dem Vorjahr nicht verändert hat: Der Bruttostundenverdienst von Frauen ist um 22 Prozent geringer als der ihrer männlichen Kollegen. Der dbb, versicherte Dauderstädt, werde sich weiter für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzen, etwa durch Mitwirkung in den Arbeitsgruppen zur Umsetzung der Demografiestrategie der Bundesregierung oder bei der Erarbeitung verbesserter gesetzlicher Regelungen wie der Übernahme der Familienpflegezeit ins Beamtenrecht.

Mit dem Appell „Helfen wir der Gleichstellung gemeinsam auf die Sprünge und machen wir die Entgeltgleichheit zur Chefsache – in der Finanz- und Steuerpolitik, in der Arbeits- und Sozialpolitik, in der Familienpolitik und in der Besoldungs- und Tarifpolitik!“ trat Helene Wildfeuer, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung, vor die rund 250 Tagungsteilnehmer. „Getrödelt wurde hier lange genug. Jetzt läuft uns die Zeit davon, denn der Fachkräftemangel sitzt uns im Nacken“, sagte Wildfeuer. Auch im öffentlichen Dienst sei ein „Wandel in der Arbeitskultur“ notwendig: mit stärkerer Orientierung an weiblichen Lebensverläufen und dem Abbau bestehender Hürden in der Beförderungspraxis.

Die 10. Frauenpolitische Fachtagung, zu der rund 250 Teilnehmer ins dbb forum berlin gekommen waren, stand unter dem Motto „Was ist Frauen-Arbeit wert?“ In Experten-Vorträgen und einer Podiumsdiskussion sollten unter anderem Perspektiven für eine gendergerechte Entlohnung von Frauen im Öffentlichen Dienst, rechtliche Perspektiven von Frauenarbeit und Arbeit im Haushalt als Wirtschaftsfaktor zur Sprache kommen.