Kurzsichtige Personalpolitik
Mangelverwaltung in den Amtsstuben

Vor den Folgen eines gravierenden Fachkräftemangels im öffentlichen Dienst hat der dbb Bundesvorsitzende Klaus Dauderstädt gewarnt. Jeder vierte Beschäftigte sei 55 oder älter, in den kommenden 15 Jahren werden 1,5 Millionen der 4,6 Millionen Staatsdiener altersbedingt ausscheiden, rechnete Dauderstädt im „Handelsblatt“ (Ausgabe vom 6. Oktober 2014) vor. Während die Privatwirtschaft ihre Belegschaften stark verjüngt habe, baute der Staat Personal ab und stellte kaum Nachwuchs ein. Die kurzsichtige Personalpolitik räche sich heute, da der Staat im Wettstreit um die besten Köpfe oft den Kürzeren ziehe, warnte Dauderstädt.

„Wenn ein privater Arbeitgeber merkt, dass er den begehrten Ingenieur, Arzt oder IT-Fachmann nicht bekommt, legt er noch einen Tausender drauf. Das kann die Kommunalverwaltung, die Sozialversicherung oder das Finanzamt nicht.“ Viele junge Leute müssten feststellen, dass es in der Privatwirtschaft zum Teil bessere Arbeitsbedingungen und vor allem mehr Geld gebe.

Dass es angesichts des demografischen Wandels und der schrumpfenden Bevölkerung künftig weniger öffentliche Dienstleistungen brauche, wies der dbb Chef zurück: „Es gibt keinen linearen Zusammenhang zwischen sinkender Bevölkerungszahl und der Ausstattung des öffentlichen Dienstes. Selbst wenn in einem Stadtviertel in zehn Jahren vielleicht zehn Prozent weniger Leute wohnen als heute, brauchen sie dennoch eine funktionierende Polizei oder Feuerwehr. Sicher kann man fragen, ob es richtig ist, jede Grundschule auf dem platten Land zu erhalten. Aber auf der anderen Seite fehlen schon heute zehntausende Fachkräfte in den Kitas und im vorschulischen Erziehungsbereich. Wir wähnen uns in einem Sozial- und Rechtsstaat mit hohem Sicherheitsniveau, aber an vielen Stellen sind schon Lücken da.“ Schon heute fehlten in Deutschland 20.000 Lehrer, 10.000 Polizisten, 120.000 Erzieher, so Dauderstädt.

Zu der von Städte- und Gemeindebund-Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg im „Handelsblatt“ geforderten „Personaloffensive“, um junge Menschen für den öffentlichen Dienst zu begeistern, sagte Dauderstädt: „Das geht vor allem über eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen“ auch Telearbeit, Lebensarbeitszeitkonten und familienfreundliche Arbeitszeiten könnten den Staatsdienst attraktiver machen. Gleichzeitig warnte der dbb Bundesvorsitzender vor der zunehmenden Staatsverdrossenheit der Staatsdiener, weil sie schlecht behandelt würden: „Wir glauben, dass das Resultat einer Einkommensrunde, das wir am Tariftisch unterschreiben, die Inflation und die wirtschaftliche Lage berücksichtigt und die Teilhabe der Beschäftigten sichert. Wenn sich Länder dann entscheiden, davon abzuweichen, wie wir das im vergangenen Jahr außer in Bayern und Hamburg nahezu flächendeckend erlebt haben, dann müssen sie sich bewusst sein, dass jede Abweichung die Attraktivität des öffentlichen Dienstes schmälert. Die Staatsverdrossenheit, die heute schon bei Richtern, Staatsanwälten, in der Lehrerschaft, den Finanzverwaltungen und vielen anderen Dienststellen zu beobachten ist, ist alarmierend. Denn Staatsverdrossenheit entsteht, wenn Beschäftigte sich von ihrem Dienstherrn nicht mehr angemessen wahrgenommen und respektiert sehen.“

Der dbb beamtenbund und tarifunion macht am morgigen Dienstag, 7. Oktober 2014, mit einem Fachkräftehearing in Berlin aufmerksam auf den Personalmangel im öffentlichen Dienst. Mit „Panikmache“ habe dies nichts zu tun, betonte dbb Chef Dauderstädt: „Tatsächlich hören wir häufig aus der Politik, dass es noch genug Bewerbungen gebe. Aber schauen Sie sich an, was das zum Teil für Bewerbungen sind. Meine Kollegen vom Richterbund sehen die Abkehr von der bisherigen Praxis, nur Bewerber mit Prädikatsexamen einzustellen, äußerst skeptisch, weil das Niveau in der Justiz sinken wird. Ähnliches gilt für die Polizei oder den Schuldienst. Das ist das Gegenteil von dem Maßstab, den wir im öffentlichen Dienst eigentlich setzen wollen, und widerspricht dem, was die Bürger von ihrem öffentlichen Dienst zu Recht erwarten dürfen.“