Offener Brief zum Artikel „Ein Fest des Lebens“ in der SPIEGEL-Ausgabe 43/2014

Forstwirtschaft

In der Ausgabe 43/2014 hat der SPIEGEL ungewöhnlich ausführlich über den Wald berichtet (S.128-132). Dies freut uns als Forstleute außerordentlich. Die Tatsache an sich ist aus unserer Sicht bemerkenswert und durchaus zu begrüßen. Die Vorfreude verfliegt jedoch augenblicklich mit der Lektüre des Artikels.


Der Brief im Wortlaut:

An den Chefredakteur des SPIEGEL, Herrn Wolfgang Büchner

In der Ausgabe 43/2014 hat der SPIEGEL ungewöhnlich ausführlich über den Wald berichtet (S.128-132). Dies freut uns als Forstleute außerordentlich. Die Tatsache an sich ist aus unserer Sicht bemerkenswert und durchaus zu be-grüßen. Die Vorfreude verfliegt jedoch augenblicklich mit der Lektüre des Artikels. Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) vertritt bundesweit Försterinnen und Förster, Waldarbeiterinnen und Waldarbeiter in öffentlichen oder privaten Forstbetrieben. Wir treten daneben auch für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Wald ein, der alle Wald-funktionen berücksichtigt.
Das Magazin DER SPIEGEL ist bekannt für seinen investigativen Journalismus, der häufig gesellschaftspolitische Themen aufgreift und Licht in so manches Dunkel bringt. Die gewählte Thematik „Forstwirtschaft und Naturschutz“ wird derzeit sehr umfassend und leider auch sehr emotional und einseitig zwischen Vertretern der Forstwirtschaft und des Naturschutzes diskutiert. Teilweise herrscht ein Diffamierungswettbewerb. Es verwundert sehr, dass sich der SPIEGEL hier ohne Not vor den Karren des Naturschutzes hat spannen lassen. Die Bedeutung von Urwäldern für den Arten- und Biodiversitätsschutz sind unstrittig. In der Diskussion geht es lediglich um das Wo und Wieviel. Der Autor Manfred Dworschak hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Argumente der Forstseite fundiert zu recherchieren. Im Ergebnis finden sich neben durchaus fachlich korrekten Darstellungen der Zusammenhänge um die Bedeutung von Zerfallsphasen im Urwald tendenziöse und unreflektierte Behauptungen der Interviewpartner, die mit eigenen ebenso fachlich unfundierten Behauptungen des Redakteurs ergänzt werden. Eine Hinterfragung hat schlicht nicht stattgefunden. Es würde den Rahmen dieses Briefes sprengen, hier alle einseitigen Argumente anzuführen und richtig zu stellen. Gute journalistische Arbeit geht unserer Meinung nach anders. Ein solches Vorgehen hat DER SPIEGEL nicht nötig. Sie haben eine gute Chance verpasst, die Diskussion durch fundierte Recherche in die Öffentlichkeit zu tragen und somit zur Aufklärung der Sachlage und der unterschiedlichen Ansichten beizutragen.
Der BDF bemüht sich seit Jahren, die tiefgreifenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Forstwirtschaft und Naturschutz zu überwinden und konsensfähige Konzepte zu erarbeiten. Solche Artikel sind diesbezüglich völlig kontraproduktiv und überflüssig. Wir möchten Sie auffordern und einladen, in einem weiteren Artikel über das so wertvolle Ökosystem Wald die tatsächliche Meinungsvielfalt darzustellen und die Möglichkeiten des Umgangs mit ihm. Der BDF ist gerne bereit, Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei zu unterstützen. Tragen Sie dadurch auch dazu bei, dass die Glaubwürdigkeit der journalistischen Arbeit des Magazins DER SPIEGEL wiederhergestellt wird.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Jacobs,
Bundesvorsitzender

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