Naturschutz im Wald - nur eine Funktion unter vielen

Naturschutz im Wald Foto: Jens Düring

Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) begrüßt die Vertragsnaturschutzziele der Naturschutz-Offensive 2020 des Bundesumweltministeriums (BMUB). Diese decken sich mit den Forderungen des BDF nach der Honorierung von besonderen gesellschaftlich wichtigen Leistungen. Der BDF warnt jedoch davor, allein den Naturschutz im Fokus zu haben und andere Funktionen zu negieren. Der Wald hat auch eine soziale und ökonomische Dimension. Diese werden durch die nachhaltige Forstwirtschaft gemeinsam im Blick behalten. Hierdurch entstehen Wälder, die heute so wertvoll sind wie noch nie. Dies sollte auch das BMUB endlich registrieren. Forstleute und Waldbesitzer haben auch den Naturschutz im Blick.

Der BDF fordert die Beteiligung von Experten der Forstwissenschaft und Forstwirtschaft an der Ent-wicklung von Konzepten für den Wald.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat in der vergangenen Woche ihre Naturschutz-Offensive 2020 zur Verbesserung der Artenvielfalt vorgelegt. Das Handlungsprogramm enthält rund 40 Maßnahmen und Initiativen. Es wurde Vertretern von Verbänden, Wissenschaft und Naturschutzbehörden auf dem "Nationalen Forum zur biologischen Vielfalt" in Berlin vorgestellt.

Der BDF begrüßt die enthaltenen Ziele zum Ver-tragsnaturschutz, um auch das Engagement der Privat- und Kommunalwälder für den Naturschutz zu honorieren. Warum nur auf zehn Prozent deren Flächen langfristige Programme wirksam werden sollen, erschließt sich allerdings nicht.

Forstleute sind bemüht, die nachhaltige Nutzung der Wälder auf der ganzen Fläche zu betreiben. Hierzu gehört auch der Naturschutz. Die Fachinformationen des Bundesamtes für Natur-schutz (BfN), die der Naturschutz-Offensive zugrunde liegen, enthalten noch mehr Merkwürdigkeiten.

„Die Daseinsvorsorgefunktion des Waldes wird quasi negiert. Die wirtschaftliche Nutzung und Gewinner-zielungsabsicht ist scheinbar eine Horrorvorstellung. Das sich Holznutzung und Naturschutz nicht aus-schließen, liegt außerhalb der Vorstellungskraft der Autoren“, zeigt sich Hans Jacobs, Bundesvorsitzender des BDF erstaunt. „Die besondere Verantwortung öf-fentlicher Wälder für die Gemeinwohlfunktionen, wie den Naturschutz, sieht auch der BDF. Jedoch hat der Wald auch zahlreiche andere Funktionen, wie z.B. den Klimaschutz. Hierzu gehört auch die nachhaltige Nut-zung des nachwachsenden Rohstoffs Holz. Der Wald selbst muss auch für den Klimawandel gewappnet werden“, so Jacobs weiter.

Die pauschalen Forderungen nach Flächenstilllegung oder großen Wildnisgebieten mit abstrakten Prozent-zahlen sind wenig hilfreich. Hier müssen wissen-schaftsbasierte Konzepte entwickelt werden, die einen ganzheitlichen Ansatz mit Berücksichtigung aller Wald-funktionen als Grundlage haben.

„Selbst Windenergieanlagen im Wald werden pauschal infrage gestellt. Obwohl diese notwendiger Bestandteil der Energiewende sind. Die Erfolge der Forstwirtschaft in der Entwicklung wertvoller Mischwälder, der Wald-flächenmehrung, des Zuwachses an Totholz, an struk-turreichen und alten Beständen werden nicht gewürdigt. Die Langfristigkeit forstlichen Handelns liegt außerhalb der Wahrnehmung. Ein fundiertes ausgewogenes Konzept sieht anders aus“, so Jacobs abschließend.

Naturschutz im Wald - nur eine Funktion unter vielen (PDF)

Naturschutz-Offensive 2020 des BMUB (PDF)

Mehr Informationen des BMUB

Fachinformationen des BfN zur Naturschutz-Offensive (PDF)