Guter Rat für den Wald?

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Vor fast genau einer Woche hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks das neue Hauptgutachten des Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU) entgegengenommen. Bei einem Gesamtumfang von 472 Seiten wird sich darin auf 56 Seiten der Wildnis gewidmet, die auf zwei Prozent der Landesfläche Deutschlands etabliert werden soll. Potenzielle zukünftig nutzungsfreie Flächen werden vor allem im Wald gesucht. Vor fast genau einem Monat empfahl der Bioökonomierat der Bundesregierung die effiziente Nutzung der wertvollen Ressource Holz. Ein Aspekt dabei soll die Steigerung des Holzertrags durch Waldentwicklung und –mehrung sein. Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) fordert statt vieler sich widersprechender Strategien und einzelinteressengesteuerter Gutachten eine Gesamtpolitik für den Wald.

Der BDF fordert vor allem ein „Gesamtkonzept Wald“, in dem wissenschaftlich basiert festgehalten wird, was man vom Wald will, was bereits geleistet wird, was er leisten kann und wie das nachhaltig erreicht werden kann.

Nachdem der Bioökonomierat der Bundesregierung am 19.04.2016 eine Analyse veröffentlichte, aus der hervorgeht, dass Holz eine wertvolle Ressource für die Bioökonomie ist und in Deutschland deutlich effizienter als bisher genutzt werden könnte, hat der SRU derselben Bundesregierung ein Gutachten veröffentlicht, was die weitere Holznutzung verringert und auf Teilflächen ganz stoppt.

Das Wildnisziel – zwei Prozent der Landesfläche Deutschlands – wird vorrangig für den Wald verfolgt. 1,97 Prozent oder 700.000 Hektar geeigneter Flächen sind laut der Untersuchung Wald. Die neue Wildnis soll die Biodiversität erhalten, als Erfahrungsraum dienen, ein glückliches Leben für die Menschen schaffen, einen hohen Freizeitwert erzeugen, dem Klimaschutz dienen u.v.a.m. Auch die SRU-Gutachter waren nicht dazu in der Lage, eine aktuelle Flächenbilanz über die bereits bestehenden Prozessschutzflächen aufzustellen. Das ist ein Armutszeugnis! Darüber hinaus werden große Defizite beim Monitoring und der Forschung in bereits bestehenden Wildnisgebieten dokumentiert. Vielleicht sollte man erstmal die Hausaufgaben machen, bevor Forderungen nach weiteren Prozessschutzflächen gestellt werden.

„Jetzt ist guter Rat teuer!“, kommentiert Ulrich Dohle, Bundesvorsitzender des BDF, die verschiedenen Gutachten verschiedener Räte. „Fast monatlich werden immer wieder neue Studien, Analysen und Fachgutachten vorgestellt, die den Wald betreffen. Fast immer widersprechen sie sich fundamental. Als Forstleute und Fachleute für Wald fordern wir ein Gesamtkonzept, das alle Aspekte berücksichtigt und nicht wegen irgendwelcher Partikularinteressen, Flächenbeanspruchung oder finanzieller Forderungen Ziele feststeckt“, so Dohle weiter.

Im SRU-Gutachten liest man viel von natürlicher Entwicklung für die Vielfalt, von Wildnis als Bildungsraum, von Entwicklungen, die Licht am Boden brauchen. Dass im bewirtschafteten Wald dies bereits gelingt, sich die biologische Vielfalt gut entwickelt und die Lebensräume in einem überwiegend guten Zustand sind, wird verschwiegen. Als natürliche Störungen sollen Waldbrände ermöglicht werden. Gleichzeitig soll Wildnis vorbildlicher Klimaschützer sein. Deutschland soll verantwortungsvoll mit seiner Natur umgehen und Vorbild für andere Länder sein.

Dass die deutsche Forstwirtschaft bereits internationales Vorbild für die nachhaltige und verantwortungsvolle Naturnutzung ist, wird gleichfalls nicht thematisiert.

Einig ist sich der BDF mit dem SRU, dass in der Diskussion von Anfang an ein ergebnisoffenes und von Mitbestimmung geprägtes Beteiligungsverfahren zu wählen ist, in das alle wichtigen Akteure eingebunden sein sollten.