Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) kritisiert die von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner auf Eis gelegte „Waldstrategie 2020“. Ein bereits seit drei Jahren geführter Dialogprozess der verschiedenen Interessensgruppen um eine zukunftsweisende Strategie für den deutschen Wald muss gerade im Internationalen Jahr der Wälder zu Ende geführt werden. Im Interesse des bedeutenden Ökosystems Wald und der gesamten Gesellschaft mit seinen vielfältigen Ansprüchen ist eine abgestimmte Regierungsstrategie zum Wald unabdingbar.
Am vergangenen Freitag ließ das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) verlauten, dass es vorerst keine Entscheidung über die Waldstrategie 2020 geben würde und stattdessen der Diskussions- und Dialogprozess weiter fortgeführt werden solle.
Kurz vor dem Startschuss für den deutschen Beitrag zum Internationalen Jahr der Wälder am 21. März 2011 ist dies alles andere als rühmlich.
Bereits seit drei Jahren wird intensiv um eine Strategie für den deutschen Wald diskutiert. In mehreren Symposien wurde der Dialog über die verschiedenen und teilweise widerstreitenden Interessen geführt.
Auch der BDF brachte sich umfänglich in den Prozess ein und legte mehrere Stellungnahmen zu den Entwürfen einer „Waldstrategie 2020“ vor und bemühte sich um den Ausgleich zwischen konkurrierenden Ansprüchen an den Wald.
„Es ist ein Armutszeugnis, dass kurz vor der Ziellinie die ‚Waldstrategie 2020’ erneut auf die lange Bank geschoben wird. Augenscheinlich ist es nicht gelungen, den vom BMELV vorgelegten Entwurf des Strategiepapiers in der Ressortabstimmung mit dem Umweltministerium zu einem Kompromiss zu führen. Jetzt einen weiteren Dialogprozess in Gang zu setzen, führt uns nicht weiter, da alle Beteiligten ausreichend Gelegenheit hatten, auf den Symposien der letzten Jahre ihre Ansichten zu vertreten“, kommentiert Hans Jacobs, Bundesvorsitzender des BDF, die Meldung des BMELV.
„Der Deutsche Wald steht vor gewaltigen Herausforderungen, die Ansprüche der Gesellschaft sind so vielfältig wie nie zuvor, die Interessen verschiedener Gruppen klaffen teilweise weit auseinander. Eine ausgleichende und zukunftsweisende Regierungsstrategie für den Wald war noch nie so notwendig“, so Jacobs weiter.
Der Klimawandel, die Holzknappheit und der zunehmende Verlust der Biodiversität sind nur einige der Konfliktpunkte in der Diskussion um die Anforderungen an den Wald und seine Bewirtschaftung. Niemandem ist geholfen, wenn Naturschutzverbände oder die Industrie auf Ihren Maximalforderungen beharren.
Es ist die ureigenste Aufgabe und Verantwortung der Regierung – insbesondere des betroffenen Bundesumweltministeriums sowie des BMELV – Lösungsansätze zu formulieren und diese in eine Strategie einfließen zu lassen.
Der BDF fordert Frau Aigner und ihren Kollegen, Bundesumweltminister Norbert Röttgen, auf, schnellstmöglich eine stringente Agenda für die Verabschiedung der „Waldstrategie 2020“ noch in diesem Jahr zu formulieren.
Im Internationalen Jahr der Wälder 2011 kann der Deutsche Wald nicht besser gewürdigt werden.
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