Nach
den Ergebnissen der aktuellen Inventurstudie des deutschen Waldes sind
die Vorräte im Vergleich zur vorangegangenen Erhebung weiter
angestiegen, ebenso der Anteil älterer Bestände sowie der Totholzvorrat.
Die Nutzung erreicht fast den Zuwachs. Allerorten klopft man sich für
die Ergebnisse auf die Schulter. Wird jetzt alles gut im deutschen Wald?
Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) fordert von der deutschen
Bundesregierung und den Ländern die Weiterentwicklung der Charta für
Holz und die aktive Unterstützung einer neuen Holzabsatzförderung sowie
eine nachhaltige Personalpolitik.
Kürzlich wurden die Ergebnisse der Inventurstudie zur Kohlenstoffbilanz des Johann Friedrich von Thünen-Instituts (vTI) vorgestellt. Auf Basis der Bundeswaldinventur (BWI) wurde im Jahr 2008 die Kohlenstoffinventur durchgeführt, um im Rahmen der Klimaberichterstattung gemäß dem Kyotoprotokoll eine CO2-Eröffnungsbilanz zu erstellen.
Durch ihre Kompatibilität zur BWI ermöglicht sie darüber hinaus jedoch auch einige Kernaussagen über die Entwicklung der deutschen Waldverhältnisse. Zum ersten Mal können auch Aussagen über die Entwicklung von Zuwachs und Nutzung des gesamtdeutschen Waldes getroffen werden.
Insgesamt sind 1,23 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in den lebenden
Bäumen des Waldes gespeichert. Dies entspricht etwa 120 Tonnen pro
Hektar. Für den Zeitraum zwischen 2002 und 2008 haben die Wälder eine
rechnerische Gesamtsenkenwirkung von 4,7 Millionen Tonnen Kohlenstoff
pro Jahr. Die Experten rechnen damit, dass der in Biomasse gespeicherte
Kohlenstoff in den nächsten Jahren abnimmt. Nach
den Anrechnungsregeln des Kyotoprotokolls droht der Wald von einer Senke
zur Quelle zu werden. „Wir fordern vor diesem Hintergrund die
Anerkennung von langlebigen Holzprodukten als Kohlenstoffsenke, um der
positiven Wirkung des Waldes und der Verwendung des nachwachsenden
Rohstoffs Holz für das Klima zu verdeutlichen“, so Hans Jacobs,
Bundesvorsitzender des BDF.
Der Waldumbau weg vom Nadelholz hin zu mehr Laubholz zeigt weiter
Wirkung. Die Fläche der Laubbäume hat um zwei Prozent zugenommen,
während die der Nadelbäume entsprechend abgenommen hat. Der
Totholzanteil ist ebenso angestiegen. Über alle
Eigentumsarten liegt er jetzt bei 24 Kubikmetern pro Hektar. Die Zunahme
resultiert jedoch hauptsächlich aus den vergangenen Sturmkatastrophen,
wie Kyrill oder Emma.
Auch der Vorrat ist zwischen den verschiedenen Studien gestiegen. Er beträgt jetzt durchschnittlich 330 Kubikmeter pro Hektar. Dies sind etwa zwei Prozent mehr als noch 2002. Ungenutzte Reserven gibt es trotz einer gestiegenen Nutzungsintensität immer noch im Kleinprivatwald (bis 20 Hektar Größe). Es ist also weiter notwendig, die Holzmobilisierung voran zu treiben. Gleichzeitig muss die Charta für Holz der deutschen Bundesregierung ernsthaft weiter entwickelt und gelebt werden und gehört zurück auf die politische Agenda der neuen Bundesregierung. Durch die Abschaffung des Holzabsatzfonds (HAF) ist hier ein wichtiges Instrument verloren gegangen.
Dies alles kann aber von den waldbewirtschaftenden Institutionen nur weiter unterstützt und geleistet werden, wenn auch eine nachhaltige Personalpolitik für die ausreichende Personalausstattung sorgt. Nur so kann der Wald als natürliche Lebensgrundlage des Menschen weiter die an ihn gestellten Anforderungen