Der Saarkohlenwald ist zwar kein Sandwich, aber vom Prinzip vergleichbar: unten Kohle, oben Wald. Genießbar wäre es trotzdem nicht, denn das Brötchen, bleibt man im Bild, ist knochenhart, da dreihundert Millionen Jahre alt. Genau genommen stammt die Kohle-Schicht aus dem Erdzeitalter des Karbons. Damals entstand über und unter der Erde eine einzigartige Zwei-Etagen-Landschaft. Riesige, bis zu 40 Meter hohe Sumpf-Wälder mit einer enormen Pflanzenvielfalt aus Bärlapp, Farnen und Schachtelhalmbäumen starben ab und wurden zu Torf. Unter hohem Druck zusammengepresst, entwich das Wasser. Kohlenstoff reicherte sich an und über das Zwischenstadium Braunkohle bildeten sich die für die Region so enorm wichtigen Ressourcenlager: Basis für 250 Jahre Steinkohlenberg. bau. Darüber entstand der heutige Beuchen-Eichen-Wald.
Im heute so bezeichneten Saarkohlenwald verbergen sich - wie Zeitkapseln unserer Vergangenheit - Relikte aus allen Jahrhunderten, angefangen von Resten römerzeitlicher Villen und Handelswege bis hin zu Zeugnissen der Industrieepoche. Die Route einer einst stark frequentierten Römerstraße nach Trier verläuft von Saarbrücken über einen Höhenrücken ins nördlich anschließende Agrarland und quert dabei den Saarkohlenwald.
Einblicke in die Feudalepoche der Fürsten von Nassau-Saarbrücken gewährt das ehemalige Jagdschloss Phillipsborn, dessen Keller komplett erhalten blieb. Weitere geschichtsträchtige Objekte vereint als Zeugnisse der Industriekultur, die denkmalgeschützte preußische Grubensiedlung „Von der Heydt“ mit der Direktorenvilla, Steigerhäusern und zwei architektonisch einmaligen Schlafkasernen. Dort, wo früher die Bergleute unter der Woche nach harter Arbeit nächtigten, hat heute die Zentrale des SaarForst Landesbetriebes ihren Sitz. Immer wieder trifft man im Saarkohlewald zudem auf Stollenmundlöcher, Fördergerüste, Absinkweiher und andere Zeugen der regionalen Geschichte.
Charakteristisch für den Saarkohlewald ist die Schicksalsgemeinschaft von Kohlebergbau und Forstwirtschaft. Wo auch immer das schwarze Gold gefördert wurde, hatten Natur und Landschaft das Nachsehen. Bergehalden, Schlammweiher, Brunnenfassungen, Bergmannspfade und Grubengebäude zeugen von den aus heutiger Sicht schwerwiegenden Eingriffen in den Lebensraum Wald. Bäche wurden verlegt, Waldflächen in großem Stil gerodet, Erdmaterial tonnenweise abgetragen, ganze Ökosysteme zerstört.
Doch jedes Schlechte birgt auch sein Gutes. In Folge der einstigen Intensivnutzung durch den Menschen entstanden einzigartige Lebensräume, die vielen, darunter extrem bedrohten, Tierarten als Refugium dienen. Weshalb nicht nur Historiker, sondern auch Naturschützer bestrebt sind, die Relikte der Industriekultur für die Nachwelt zu erhalten.
Was keine ganz leichte Aufgabe ist. Peu á peu erobert die Natur ihr verlorenes Territorium zurück. Diese sukzessiven Prozesse aufzuhalten bzw. zu steuern, gehört zu den Aufgaben der Förster in den Revieren, wobei sie von Seiten des Natur– und Denkmalschutzes fachlich unterstützt werden.

Ohne den Menschen wäre der Saarkohlenwald mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit heute ein Rotbuchen-Urwald. Zwischen den mächtigen Buchen würden sich nur wenige Eichen und Buntlaubarten wie Ahorn, Vogelkirsche oder Ulme behaupten.
Tatsächlich findet man auf den sowohl mit Nährstoffen als auch (bis zu einer mehrjährigen Trockenperiode ab 2019) mit Wasser gut versorgten Standorten sehr wohl eine vitale, langstämmige Buche vor. In Naturwaldzellen baut sie Holzvorräte von über 1000 Festmetern auf. Jedoch teilt sie sich, historisch bedingt, den Forst mit Eichen. Deren Anteil beträgt 39 Prozent, das heißt, auf drei Buchen kommen zwei Eichen. Zurückzuführen ist das sowohl auf die sogenannte Mittelwaldbewirtschaftung, die für eine ausgewogene Artenzusammensetzung sorgte, als auch die zunehmende Fokussierung auf Eichenholz im beginnenden 19. Jahrhundert. Witterungsbeständig, robust und lange haltbar, brachte es als Konstruktionsholz für den Steinkohlebergbau ideale Eigenschaften mit.