01. Mai 2019

Jahresberatung des Arbeitskreises zum Thema

"Wald und Gesundheit"

Seit 2003 gibt es unter dem Dach des BDF einen solchen Arbeitskreis für den „deutschsprachigen Raum“. Sein Name ist von der Entwicklung längst überholt worden. Viel breiter sind heute die Themen um den einstigen Kern der klassischen Waldpädagogik.

Vielfältiger sind die Ansprüche und Interessen der Waldbesucher. Aber: Wird der Berufsstand dieser Bedeutung angemessen gerecht? Diese Frage stand am Anfang der Jahrestagung 2019, die am 7. und 8. März in Erfurt stattfand.

 

Der Arbeitskreis, der vielleicht auch „AK Wald und Mensch“ heißen könnte, widmet sich genau dieser Breite der 3. Waldfunktion und dies gern auch in sachkundiger Tiefe. Die Breite der Bundesländer ist jedoch noch nicht  ausreichend vertreten. Während aus Österreich Zuwachs begrüßt werden konnte, hatte auf den Aufruf im Vorfeld an alle Landesverbände des BDF kein einziges Bundesland reagiert. Dies ist bedauerlich, zumal wir wissen, dass überall das Thema im gesellschaftlichen wie internen Diskurs an Bedeutung zunimmt. Deshalb  auch nochmal an dieser Berichtsstelle die dringende Bitte, Sachkunde durch persönliches Engagement im  Arbeitskreis einzubringen. Ohne andere Arbeitskreise geringer zu schätzen: Forstwirtschaft ist für die Menschen und wird über die Menschen entschieden. Und im Arbeitskreis herrscht eine besonders herzliche und  freundschaftliche Atmosphäre. Der Blick ins „Europa-Netzwerk“ und die sehr aktive Teilnahme von Österreich sind stets eine besondere Bereicherung. Die Zukunft ist hier oft Gegenwart. 

Top-Thema der Tagung 2019 war „Wald und Gesundheit“.
Inhaltlich ist dazu bereits im BDFaktuell berichtet worden. Der Büchermarkt schwillt an. Waldbaden, Waldtherapie und andere Schlagworte sind bekannt, wurden in Erfurt fachlich beleuchtet und bezüglich der Rolle der Forstleute eingeordnet. Wer dazu mehr wissen will, informiere sich gern beim Arbeitskreis. 

Unter Anwesenheit von Ines von Keller wurde neben der grundsätzlichen Zusammenarbeit mit dem BDF Bund dann konkreter ausgelotet, wie das Feld „Wald und Gesundheit“ in die Arbeit des Berufsverbandes integriert, vor allem aber forstpolitisch in größerem Rahmen federführend mitgestaltet werden kann.

Die einführende Diskussion zeigte, dass die „strategische Wertschätzung“ von „Walderleben“ in den Landesforsten oft noch unzureichend ausgeprägt ist. Gründe dafür sind sicher nicht nur der Arbeitskräftemangel bzw. die Auslastung mit den eher traditionellen und vielen anderen neuen Aufgaben. Es
besteht hier aber die Gefahr, dass mit einem unzureichenden Fokus „die Forstpartie“ am Handlungsfeld
„Wald und Gesundheit“ planlos oder vielleicht gar bewusst vorbeisteuert. Sicher ist es motivatorisch
extrem schwierig, angesichts der Belastungen des Stammpersonals sogar mit der Tendenz der Externalisierung
von (ur)eigenen Aufgaben einhergehend mit der Gefahr von Kompetenz- und Reputationsverlusten nun weitere Aufgaben anzugehen, die aber eben nur dem distanzierten Anschein nach so ganz neuartig sind. Und all dies in der aktuellen katastrophenhaften Krise des Waldschutzes, wo „Mann und Mäuse“ am Limit sind.

Dennoch darf hier durch ein fortgesetzt zu dominantes traditionelles Selbstverständnis der Forstleute als vor allem „wirtschaftende Zunft“ der Blick auf neue Felder nicht fehlen oder gar abgewendet werden. „Wald und Gesundheit“ ist schließlich nur ein neueres Begriffspaar für eine eigentlich uralte Waldfunktion. Ein wesentlicher Aspekt der sozialen Nachhaltigkeit! Auch dafür sind wir als Berufsstand vor 300 Jahren auf den Plan gekommen. Diese soziale Säule muss mindestens für die öffentlichen Wälder und deren Forstleute wichtiger Impuls bleiben.
Auch wenn die Säge klemmt und der Specht schneller ist. 

Forstintern wird „Wald und Gesundheit“ hoffentlich nicht die Kinderkrankheiten der Waldpädagogik durchmachen, wo die Wertschätzung der Leistungen des eigenen Personals bis heute noch nicht auf dem richtigen Niveau angekommen ist. In jedem Fall aber sollten wir uns mit eigenen Strategien, Programmen und vor allem Handeln nicht so lange Zeit lassen, bis das Feld durch andere besetzt oder in gegensätzlichem Interesse durchgeprägt ist. 

„Wald und Gesundheit“ ist somit ein Thema für die Forstchefkonferenz. Apropos: Passt dieser Name noch in die Zeit und zur Konferenz?

Und es ist eine bundesweite Kampagne wert! In Erfurt wurde deshalb beschlossen, dem  Bundeslandwirtschaftsministerium „Wald und Gesundheit“ als Motto für die Deutschen Waldtage 2020 vorzuschlagen. Auch wenn „Wald und Klima“ die höhere fachliche Brisanz besitzt, so ist die Erreichbarkeit
der Bevölkerung mit dem Sterben von Fichten, Kahlschlägen, Polterbegiftung u. a. Försterstress sicher
weniger gut gegeben, als mit den Gesundheitswirkungen des wirklich gefährdeten Waldes – der eben auch als „Wanne“ des Waldbadens ins Gerede kommt. Und als solche Quelle auch erhalten werden soll.

Die vermutete mediale Attraktivität der „Waldschutzkrise“ darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese eher negativen Themen eben kaum entsprechend oft und in der Perspektive auch eher selten mit den richtigen Botschaften aufgenommen werden. Katastrophen werden gern einmal berichtet, doch die Schlussfolgerungen und Konsequenzen bleiben oft aus. Der Wald und die Forstwirtschaft bleiben am Ende allein mit den Schäden und dem Aufwand. Die Wahrnehmung aus der bisherigen forstlichen PR-Arbeit bestätigt wohl die Annahme,
dass eine andere Kommunikationsstrategie gewählt werden sollte. Es muss dabei selbstverständlich die Unterstützung des Waldbesitzes und der Forstleute mit im Kanon bleiben. Auf der Basis von „Wald und Gesundheit“ lassen sich neben den Medien und der Politik vor allem eben breitere Kreise der Bevölkerung für den Wald interessieren. Andere forstpolitische Akteure zeigen, wie mit positiven Botschaften hohe  Aufmerksamkeit und Reputationen erreicht werden. Für den Wald und dessen Erhalt sind Waldnutzer wie Politiker sicher gut zu erreichen, wenn mit den Gesundheitswirkungen des Waldes für eine Unterstützung und Wertschätzung des Waldes und der Forstleute geworben wird. Anders gesagt: Aus der Katastrophe heraus zu berichten und Forderungen aufzumachen, ist sicher berechtigt, aber wohl wenig erfolgreich. Für die Gesundheit
der WählerInnen übernimmt manch PolitikerIn sicher eher Verantwortung als für die Sorgen des Waldbesitzers und der Forstleute. Die ganzheitliche Waldschutziniative sollte bei uns liegen. Als offenes Netzwerk auch im politischen Raum, vor Ort aber weiterhin als „Vertrauensstelle-Forst“. 

Der diesjährige 14. Europäische Kongress findet Anfang Juli in Riga statt. 2021 folgt Luxemburg und 2022 ist dann Deutschland Gastgeber.

Wir waren im Erfurter Stadtwald „Steiger“ zum Austausch mit Projektpartnern des Forstamtes im Bereich der psychologischen Begleitung von Klienten im Wald und diskutierten auf dem Waldsofa mit dem Leiter des Forstamtes. Praktisches wurde erfahren und immer wieder ging der Blick in die Innenschau zu unserem Berufsstand. 

Ein herzliches Dankeschön an unser Thüringer Mitglied Revierförsterin Uta Krispin – als unserer Gastgeberin für die schöne Zeit in einer wundervollen, immer wieder überraschenden Stadt Erfurt!

Das Fazit der Tagung unter dem Leitthema „Wald und Gesundheit“ war, dass es beste wie höchste Zeit ist, die „Dritte Waldfunktion“ ernst zu nehmen. Und dies bedeutet vor allem, konkreter als bisher.
Dass dies im „Waldzustand 2019“ in angespannter Krisenstimmung festgestellt wurde, ändern nichts an der Richtigkeit. Unterstrichen werden muss deshalb aber umso mehr die Wichtigkeit. 

Denn wie heißt es doch sinngemäß: Forstwirtschaft ist nicht wegen der Bäume, sondern wegen der Menschen. Am besten mit einem stabilen Wald mit ausreichend Forstleuten, die den Kopf und die Hand für die Nutzer des Waldes frei haben, die am Walderleben interessiert sind oder werden. Dass es hier bei den Waldbesitzarten zum Teil sehr  unterschiedliche Ansichten und Erwartungen gibt, liegt in der Grundhaltung und Zielstellung der Gruppen begründet. Unser Auftrag zur Öffnung des Waldes für vielfältiges Walderleben ist deutlich erkennbar,
wenn man hinschaut. Um die fachlichen Grundlagen und für eine Strategie kümmern sich auch die
Arbeitskreise beim BDF. Mach mit! 
Peter Rabe

Der Artikel in BDF aktuell 5/2019