Carlowitz Plan

Wald in Not - Jetzt handeln!

Häufigere und stärkere Stürme, die extreme Trockenheit seit dem Jahr 2018 und fortdauernde Massenvermehrungen von Insekten und anderen Organismen belasten den Wald in Deutschland sehr. 2018 sind bundesweit rd. 120.000 Hektar Waldbestände verloren gegangen - aber noch viel mehr Kahlflächen drohen. Der BDF geht davon aus, dass sich im Laufe des Jahres 2019 die Schadfläche auf etwa 250.000 Hektar erhöhen wird. Der Wald, der das Klima schützen sollte, leidet oder stirbt unter den Folgen des Klimawandels! Mittlerweile betrifft diese Entwicklung nicht nur Nadelbäume, sondern auch Laubbäume.

Deshalb hat der Bund Deutscher Forstleute am 15.7.2019 den Klimanotstand für den Wald ausgerufen.

Warum ist das so?

Das Klima (längere Trockenperioden, weniger Niederschläge bzw. deren ungünstigere Verteilung, häufigere und schwerere Stürme) ändert sich schneller, als sich unser Ökosystem Wald darauf einstellen kann.

Mit der naturnahen Waldwirtschaft bauen die Försterinnen und Förster und die Waldbesitzenden seit Jahrzehnten die Wälder um. Mehr Mischbaumarten, mehr Laubbäume, mehr Biodiversität macht unsere Wälder langfristig stabil.
Wälder sind jedoch Ökosysteme, die dafür mehrere Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte benötigen. Wir stellen fest, dass die bisherige Geschwindigkeit / Flächenleistung beim Waldumbau deutlich zu niedrig ist.

Was sind die Folgen?

Auf großen Kahlflächen nimmt der Waldboden Schaden: Erosion droht, Stickstoff und CO2 wird zusätzlich freigesetzt und verstärkt die Erderwärmung. Kahlflächen haben durch ihre starke Erwärmung ein verjüngungsunfreundliches Mikroklima.

Wald kann seine wichtige Funktion bei Grundwasserneubildung und Hochwasserschutz nicht mehr erfüllen.

Insekten und Pilze vermehren sich, begünstigt durch den Trockenstress der Bäume, so stark, dass ihr Fraß ganze Waldflächen mit wertvollen Nadel- und Laubhölzern zum Absterben bringen (Beispiel Nonne und Forleule bei der Kiefer, Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner bei der Eiche, Buchdrucker und Kupferstecher bei der Fichte, „Falsches Weißes Stengelbecherchen“ beim Eschentriebsterben, Schlauchpilze bei Ulmen, Rußrindenkrankheit beim Ahorn).

Das Absterben bestimmter Baumarten führt zu einer Entmischung strukturreicher Waldbestände und trägt mit dem Absterben ganzer Bestände zum Artensterben bei.

Durch die extreme Trockenheit werden Waldbrände immer häufiger und größer. Waldbrände mit Flächen von mehreren hundert oder sogar über 1.000 Hektar Größe, die kaum noch beherrschbar sind, waren in Deutschland über Jahrzehnte unbekannt. Nun sind sie bittere Realität. Diese Waldbrände verursachen enorme Schäden am Ökosystem Wald und setzen große Mengen an CO2 zusätzlich frei. Hinzu kommt, dass auf großen Flächen eine aktive Waldbrandbekämpfung wegen starker Kampfmittelbelastungen durch militärische Aktivitäten schwierig oder sogar unmöglich ist. 

Die Holzpreise sind durch riesige Schadholzmengen gefallen. Waldbesitzer sind nicht mehr in der Lage, weder das Wiederanpflanzen junger Bäume noch den dringend notwendigen Waldumbau zu bezahlen.

Das abrupte Waldsterben unter Verlust großer Holzmengen führt langfristig zu einem hohen Holzimportbedarf und begünstigt illegale Waldrodungen an anderen Orten der Erde (unsichere Quellen).

Der steigende Totholzanteil in den Beständen führt zu einem hohen Risiko in der Arbeitssicherheit für Waldarbeiter und Forstunternehmer sowie Erholung suchende Waldbesucher. Das muss stets mit bedacht werden.

Glaubwürdigkeitskrise der Forstwirtschaft:
Einige wenige Menschen nutzen die Krise und schieben der Forstwirtschaft die Schuld für die Katastrophe in die Schuhe. Sie ordnen die aktuelle Waldstruktur nicht historisch ein (z.B. Reparationshiebe) und berücksichtigen auch nicht die in der Forstwirtschaft naturgemäß sehr langen Zeiträume, sondern bedienen mit populistischen Positionen ein sensibles Empfinden einer zunehmend naturentfremdeten Gesellschaft, die nicht mehr versteht, dass Möbel und Dachstühle nur aus dem Holz gefällter Bäume gebaut werden können. Für die Forstleute vor Ort macht es die Aufgabe noch größer, auch weil die großen Schadholzmengen die Schönheit des Waldbildes beeinträchtigen: sind doch nicht nur die Schäden im Wald einzudämmen sondern noch dazu wird es notwendig, sich dafür auch noch vor Interessengruppen und Bürgerinnen und Bürgern zu rechtfertigen
Dies ist in einer Situation, in der viele Forstleute vor dem Scherbenhaufen ihres Lebenswerkes und ihrer beruflichen Leidenschaft stehen, schwer zu ertragen.

Politik und Gesellschaft - wir alle müssen jetzt konsequent handeln!

Um den Wald zu retten, müssen wir konsequent die Ursachen des Klimawandels bekämpfen.

Die Ziele des Klimaschutzabkommens von Paris und das 2-Grad-Ziel müssen wir endlich einhalten. Jede/r einzelne von uns muss verantwortlich mit den Ressourcen des Planeten umgehen und auch persönliche Konsequenzen ziehen. Sei es mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, auf Kurzstreckenflüge zu verzichten, auf den Verbrauch von Strom, Wasser und Heizmittel zu achten, energieeffizientere Geräte zu nutzen, auf Mehrwegprodukte zu setzen und dabei Plastik einzusparen, mehr Wildfleisch zu essen, regionale Produkte zu bevorzugen, Müll weiter zu nutzen (Upcyling), regenerative Energien zu nutzen oder einfach bewusster (und weniger) zu konsumieren.

Den Gesetzgeber fordern wir auf, seine Regelungskompetenz zu nutzen und alle Projekte an ihrer Klimaverträglichkeit zu messen und wenn nötig steuernd einzugreifen.

Für ein stärkeres Engagement für klimastabilere Wälder durch Waldumbau und Waldmehrung, für eine effektivere Waldbrandbekämpfung und eine bessere Beratung von Waldbesitzenden bedarf es dringend mehr und guten Forstpersonals sowie einer besseren finanziellen Förderung.

Der Wald braucht mehr Aufmerksamkeit! Er braucht einen Plan.

Wir nennen ihn „Carlowitz-Plan“.

Positionen

Waldprogramm

2016 haben wir beim ersten Deutschen Forstgewerkschaftstag unser Grundsatzprogramm beschlossen.

Es formuliert allgemeinverständlich die Positionen des BDF zu

  1. Alle wollen Wald - Wald und Gesellschaft
  2. Wir können Wald - Wald und Forstleute
  3. Wir nutzen Wald - Wald und Holz
  4. Wir schützen Wald - Wald und Umweltschutz
  5. Wir gestalten Walderlebnisse -  Wald und Erholung / Bildung
  6. Wir arbeiten im Wald - Arbeitsplatz Wald

Wir bieten Ihnen an, sich mit unseren Positionen und Zielen zu befassen und darüber den Diskus zu führen. Wir laden Sie ein, sich mit uns für den Wald und der in ihm Beschäftigten einzusetzen!

BDF-Waldprogramm (PDF)

 

Positionspapiere

Der BDF Bundesvorstand erarbeitet und beschließt zu aktuellen Themen Positionspapiere, diese stehen im PDF-Format zur Verfügung.

 

Wald für alle

BDF Forderungen an die zukünftige Bundesregierung 2017-2021 für die Politikfelder Wald, Forstwirtschaft, Biodiversität, Naturschutz, Forschung, Klimaschutz, Daseinsvorsorge, Rohstoffsicherung, ländliche Räume, Tourismus und Erholung, Fachkräftesicherung, moderne
Verwaltung, öffentlicher Dienst

Forderungen an die Bundesregierung

 

Berufspolitik

Arbeitnehmer

BDF gegen Privatisierung

Forstwirte im BDF

Vorbereitungsdienst / Referendariat in der Forstverwaltung

 

Forstwirtschaft

Bundeswaldinventur

Forstliche Zertifizierung

Gute fachliche Praxis in der Forstwirtschaft

Holz für energetische und stoffliche Nutzung – Nachwachsender Rohstoff mit Zukunft

Keine Trennung von Hoheit, Betrieb und Dienstleistungen

 

Natur- und Umweltschutz

Braunschweiger Erklärung

FFH-Gebiete im Wald

Forstleute und Naturschutz

Klimaschutz

Waldpädagogik in Deutschland

Wald und Sport

Ziele des Naturschutzes im Wald