Die Arbeit der Forstleute im Saarkohlenwald ist ein faszinierendes Zusammenspiel von Waldbewirtschaftung mit dem Ziel des Walderhalts, Naturschutz, Bewahren der Industriekultur und der Gewährleistung der Naherholung in einem urban geprägten Raum.
Als ehemaliges Jagdgebiet der Fürsten von Nassau- Saarbrücken genoss der Saarkohlenwald schon vor Jahrhunderten besonderen Schutz und hat deshalb einen sehr hohen Laubholzanteil, der mit der potentiellen natürlichen Vegetation übereinstimmt. Daraus ergibt sich die große Bedeutung des Saarkohlenwaldes für den Naturschutz. Ein Großteil der Flächenkulisse ist Natura 2000 Gebiet.
Charakteristisch für dieses Gebiet ist die Schicksalsgemeinschaft von Kohlebergbau und Forstwirtschaft. Bergehalden, Schlammweiher, Brunnenfassungen, Bergmannspfade und Grubengebäude sind Zeugen der ehemals schwerwiegenden Eingriffe in den Lebensraum Wald.
Heute gilt es die Relikte der Industriekultur für die Nachwelt zu erhalten. Außerdem sind hier einzigartige Lebensräume und Refugien für extrem bedrohte Tierarten entstanden. Die Natur schickt sich an, das verlorene Territorium über die Sukzession wieder zurück zu erobern. Unter naturschutzfachlicher Begleitung steuern die RevierleiterInnen diese Entwicklung.
All das geschieht in einem urbanen Umfeld mit enormem Erholungsdruck und einer Vielzahl an Freizeitaktivtäten. Dabei geht es einerseits darum, die Infrastruktur dafür bereit zu stellen und zu unterhalten und andererseits die gesamte Naherholung in naturverträgliche Bahnen zu lenken und Auswüchse zu verhindern. Nicht selten entstehen auch Konflikte zwischen den unterschiedlichen Nutzergruppen mit ihren gegensätzlichen oder konkurrierenden Bedürfnissen. Hierzu bedarf es einer ständigen Kommunikation der Forstleute mit Vereinen, Verbänden, Polizei und Privatpersonen.
Soziale Kompetenz, Einfühlungsvermögen, Kompromissbereitschaft und Dialogfähigkeit einerseits und Fachkompetenz auf der anderen Seite sind für Förster und Försterinnen im Ballungsraum nahezu unverzichtbare Eigenschaften.
All dies hat natürlich Auswirkungen auf die ureigene Bewirtschaftung des Waldes. Die Zielhierarchie ist mit Gewährleistung der Sicherheit und Ökologie vor Ökonomie klar definiert.
Dabei fußt die Forstwirtschaft im Saarkohlenwald auf drei Säulen und dürfte in dieser Konstellation einzigartig sein:
Im Zentrum entwickelt sich der Wald seit 1997 auf 1.000 ha ohne jegliche forstlichen Eingriffe als „Urwald vor den Toren der Stadt Saarbrücken“. Hier liegt das Augenmerk auf dem Schutz der ungestörten Natur und der Umweltbildung. Dieses Projekt wird in enger Zusammenarbeit von SaarForst mit dem NABU und dem Ministerium für Umwelt umgesetzt.
Daran anschließend gibt es das Gemeinschaftsprojekt von Saarforst und dem BUND die „Prozessschutz orientierte Waldwirtschaft“. Auf ebenfalls 1.000 ha wird der Wald mit möglichst geringen forstlichen Eingriffen und weitgehend ungestört ablaufenden Prozessen bewirtschaftet.
Die übrige Fläche wird nach der aktualisierten Waldbaurichtlinie des SaarForst Landesbetriebes unter höchsten ökologischen Standards naturnah bewirtschaftet.
Die Kombination aus natürlicher Waldentwicklung, Prozessschutz orientierter Waldwirtschaft und der Anwendung der aktualisierten Waldbaurichtlinie im urbanen Raum ist ein spannender und innovativer Ansatz, den die Försterinnen und Förster sowie die mitarbeitenden Forstwirte verfolgen und der sowohl den ökologischen, sozialen und auch ökonomischen Aspekten Rechnung trägt. Sie erhoffen sich auch Erkenntnisse für ein klimaangepasstes Waldmanagement der Zukunft. Denn auch im Saarkohlenwald leidet der Wald sehr stark unter dem Klimawandel und die Themen Walderhalt und Verkehrssicherung bestimmen unser forstliches Handeln.
Dabei wird unser Handeln über eine gute Öffentlichkeitsarbeit der zunehmend kritischeren Bevölkerung verständlich und bürgerfreundlich vermittelt.