Waldgebiet des Jahres 2026

Stadtlandschaft

Verzahnung mit Wald

Lebensraum

Ökosystemleistungen

 

Verzahnung mit Wald

Wie ein breites grünes Band durchzieht der Wald die Stadtlandschaft im Süden des Saarlandes. Beim Revier Quierschied handelt es sich um den nördlichsten Teil des Saarkohlenwaldes und damit des Saarbrücker Verdichtungsraumes. Ebenso sind die Reviere Riegelsberg, Rastpfuhl/Püttlingen und Sulzbach eng mit dem Siedlungsraum verzahnt. Viele der dort lebenden Menschen erholen sich oft und gern im Wald. Entsprechend groß ist das Potential für Konflikte mit der Waldwirtschaft – theoretisch. Denn in der Praxis hat sich gezeigt, dass „prozessschutzorientierte“ Bewirtschaftung mit seiner extensiven, schonenden Herangehensweise das Konfliktpotential erheblich senkt. Bestes Beispiel ist das Revier Quierschied, wo die zuständigen Forstmitarbeiter bei der Ausübung ihrer Arbeit nur noch in geringem Maße mit Kritik oder im schlechtesten Fall Aggression seitens der Bevölkerung konfrontiert werden. Was um so erfreulicher ist, als fast 100 % des Reviers als Erholungswald zur Verfügung steht, es also zwangsläufig regelmäßig zu Begegnungen kommt.

Für den Bürger tritt der Forst hauptsächlich bei Verkehrssicherungsarbeiten in Erscheinung. Entlang der Baugebiete, Straßen, Bahnstrecken und Erholungseinrichtungen ausgeführt, bilden sie quantitativ den Hauptteil der Revierarbeit. Auch die Unterhaltung der Infrastruktur für Erholungssuchende und da speziell der Wege stellt jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung dar. Walderhalt, Naturschutz und Naherholung sind inzwischen mindestens gleichrangig mit der Produktion des nachwachsenden Rohstoffes Holz zu sehen. Wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse, die aus der bewussten Nichtbewirtschaftung des Urwaldreviers einerseits und der prozessschutzorientierten Waldwirtschaft aus dem Revier Quierschied andererseits gewonnen werden konnten, fließen in die Bewirtschaftung der übrigen Staatswälder ein.

War es früher vor allem Fachkompetenz, die ein Förster mitbringen musste, sind heute zusätzlich soziale Kompetenz, Einfühlungsvermögen, Kompromissbereitschaft und Dialogfähigkeit für einen Einsatz im Ballungsraum unverzichtbar.

Lebensraum

Unbemerkt von den meisten Waldbesuchern, existieren im Saarkohlenwald eine Vielzahl wertvoller und spannender Tierarten in einer Art Parallel-Universum. Der Halsbandschnäpper zum Beispiel, der genau wie Grau- und Mittelspechte oder der bis auf seine leuchtend rote „Kappe“ komplett schwarze Schwarzspecht hier zu den charakteristischen Vogelarten zählt. Die Altbaumbestände bieten zahlreichen holzbewohnenden Arten (Xylobionten) ein Zuhause. Besondere Erwähnung verdienen die optisch spektakulären Hirschkäfer. Deren Seltenheit wird nur noch von einem winzigen Familienangehörigen getoppt, dem Kurzschröter. In Deutschland gilt dieser Käfer so gut wie ausgestorben. Nicht so im Saarbrücker Forst!

Bei den Säugetieren sind noch vor allen anderen das Große Mausohr und die Wildkatze zu nennen. Die einen nachtaktiv, die anderen extrem scheu, ist eine Begegnung mit Waldbesuchern fast ausgeschlossen. Vom Biber zeugen immerhin Spuren im Bereich der ehemaligen Absinkweiher und des Fischbachs, wo der Nager Bäume fällt, Burgen errichtet und Dämme baut.

Organismen, die fließendes Wasser benötigen, finden im Saarkohlewald ideale Bedingungen vor. Entspringen doch zahlreiche Bäche in kleinen Quellen und in den Erlen-Eschen-Quellwäldern. Von dort führen die Wasseradern zum Fischbach, der Auewälder und Sumpfbereiche speist.

Ergänzt wird die Palette der Waldgesellschaften durch Bereiche sehr toniger Standorte mit Stauwasserböden, an denen sich primär Eichen-Hainbuchen-Mischwälder ausformen. Dass sie aufgrund ihrer Bodeneigenschaften schwer zu bewirtschaften sind, zahlt sich ökologisch aus. So verfügen diese Bereiche über eine überdurchschnittliche Naturnähe - erkennbar an den vielen Alt- und Biotopbäumen und einem großen Arteninventar.

Ökosystemleistung

Niemand wird bestreiten, dass die Natur mit ihrem Ökosystem zum menschlichen Wohlergehen beiträgt - sei es durch materielle Güter wie Holz oder immateriell für Gesundheit und Wohlempfinden. Erstaunlich ist vielmehr, in welcher Dimension das geschieht.

Das beginnt schon bei den Basisleistungen wie Bodenbildung, Photosynthese, Stickstoffbindung und die Bereitstellung von Nährstoffen. In ihrer Gesamtheit schaffen diese Basics wesentliche Voraussetzungen für andere Leistungen im Ökosystem, allen voran die Versorgungsleistungen. Dazu zählen das Bereitstellen von Bau- und Feuerholz, Frischwasser und Nahrung pflanzlicher oder tierischer Art.

Darüber hinaus spielen Regulierungsleistungen eine große Rolle, also jene natürlichen Prozesse, die der Natur und/oder dem Menschen nutzen. So beeinflussen Waldgebiete entscheidend das (Mikro)Klima. Bei Starkregen nimmt der Waldboden große Mengen Oberflächenwasser auf. Das Erdreich selbst wirkt wie ein Filter, wodurch sich die Grundwasserqualität verbessert. Auch die Bestäubung von Blüten gehört in diese Gruppe. Doch der Wald gibt noch viel mehr. Er vermittelt das Gefühl von Heimat und Zugehörigkeit, schenkt spirituelle Erfüllung, ästhetischen Genuss und Erholung – zusammengefasst unter kulturellen Leistungen. Qualitativ und quantitativ sind diese Leistungen unbezahlbar. Trotzdem wird aktuell intensiv über eine Inwertsetzung diskutiert, was sehr zu begrüßen ist. Gezielt nutzen kann der Mensch die aufgeführten Leistungen nur, wenn er sich ihrer bewusst ist. Sie sind ein Geschenk, das es wertzuschätzen und achtsam zu nutzen gilt. Doch das setzt Wissen voraus: vom Wald als Ökosystem und wie sich alles bedingt.

Mit der Auszeichnung „Waldgebiet des Jahres“ zeigen wir von Saarforst, dass Ökosystemleistungen, die bisher kaum im Rampenlicht standen und bisher noch mit keinem Preis bedacht wurden, dennoch von großem Wert für die Gesellschaft sind.

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