Waldgebiet des Jahres 2026

Kulturlandschaft

Halden

Meiler

Bergmannspfade

 

Halden

Wenn der Bergbau geht, sind sie es, die bleiben: Bergehalden. Sie bestehen aus Restgestein, das bei der Arbeit untertage anfällt und zu künstlichen Hügeln aufgeschüttet wird. Durch ihre Höhe wirken Halden landschaftsprägend und outen jede ehemalige Bergbauregion.

So auch im Saarkohlenwald. Die Form und das Erscheinungsbild der Halden geben Hinweise, wann sie entstanden sind. In der Anfangszeit des großindustriellen Bergbaus im 19. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurden sogenannte Fischgrätenhalden geschüttet. Beispiel hierfür ist die bei Sulzbach liegende Halde Schnappach, heute als Bodendenkmal ausgewiesen. In den 60-er Jahren entstanden dann die sogenannten Spitzkegel-oder Kegelsturzhalden wie der Kleine Fudji: lockere Schüttungen mit steilen Böschungen.

Die Ablösung kam in den 1970-er Jahren. Nun wurden großvolumige Tafelbergehalden wie Lydia oder Grühlingstraße erschaffen, ingenieurtechnische Bauwerke gemäß den Richtlinien der im Ruhrgebiet entwickelten Landschaftsbauwerk-Konzeption.

Um 1990 begann man mit der Rekultivierung. Ursprünglich vorgesehen war eine Aufforstung, um die Halden möglichst unauffällig in die umgebende Landschaft zu integrieren. Doch verschiedene Standortbedingungen und Unterschiede der Böden machten einen dicken Strich durch die Rechnung.

Ein Perspektivwechsel war nötig: Halden wurden nun nicht mehr länger als auszubügelnder Fehler, sondern als industriekulturelles Erbe gesehen und entsprechend wertgeschätzt. Somit bleiben die Bergehalden auch künftigen Generationen als kahle, charaktervolle Erhebungen erhalten. Besonders gestaltete Aufstiege laden die Besucher ein, die Halden mit ihren bizarren Plateaus und Panorama-Ausblicken zu erkunden.

Meiler

Wald und Jagd – für den Adel war das Jahrhunderte lang fast ein Synonym. Das Erlegen von Wild galt als Zeitvertreib und Vergnügen. Im 18. Jahrhundert setzte zur Finanzierung der teuren Hofhaltung ein Sinneswandel ein. Nunmehr diente der herrschaftliche Wald auch wirtschaftlichen Interessen. Der fürstliche Hof exportierte Eichenstämme nach Holland oder lieferte Holz für den Ausbau von Eisenhütten und Schmelzwerken sowie kleiner, von den Bauern eingezogenen Steinkohlengruben.

Benötigt wurde Holz aber auch für die regionale Eisenerzeugung. Doch dazu musste man es zunächst ertüchtigen: es wurde zu Holzkohle veredelt. Ein gefährliches, viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl erforderliches Handwerk, für die Köhler oder Kohlebrenner von außerhalb, etwa aus Wallonien, angeworben wurden. Aufgrund des großen Bedarfs breitete sich die Holzverkohlung im herrschaftlichen Wald immer weiter aus und hinterließ dauerhaft Spuren. Bis heute sind im Saarkohlenwald an vielen Stellen waagerechte, kreisförmige Einebnungen zu finden, acht bis zehn Meter breit. Beim Graben mit dem Spaten stößt man dort unter Laub und Humus noch auf alte Holzkohlenreste.

Für die Holzmeiler rammten die Köhler zunächst drei Stangen in den Boden, der als Feuerschacht diente. Um ihn herum stapelten sie das Holz in zwei oder drei Stockwerken und deckten den Meiler anschließend mit Grassoden und Erde ab. Die Verkohlungsphase dauert circa 9 Tage, überwacht und gesteuert von den „schwarzen Männern“. Für jeden Meiler brauchte man rund vierzig Kubikmeter Holz, der Ertrag lag bei etwa 3 Tonnen Holzkohle.

Ab 1815, in der Preußischen Phase, ging die Zeit des Waldes als Brennholzlieferant langsam zu Ende. Ab Mitte des Jahrhunderts musste das dringende Nutzholzbedürfnis der Königlichen Gruben soweit als möglich mit den Erträgen der Königlichen Forsten gedeckt werden. Vehement drängte man die Köhlerei aus dem Wald, der mehr und mehr zur Ruhe kam. Die Eisenhämmer verklangen, keine Kohlenmeiler und Schmelzöfen, die qualmten. Wie vielen anderen industrienahen Waldgebieten kam dem Saarkohlewald nur noch eine vorrangige Aufgabe zu: möglichst viel möglichst wertvolles Holz zu produzieren, planmäßig und systematisch.

Bergmannspfade

Im Saarkohlenwald entstanden im 19. Jahrhundert eine Vielzahl von Steinkohlengruben im Saarkohlenwald, darunter Luisenthal im Westen, Von der Heydt im mittleren Bereich und, im Osten, die Grube Göttelborn. Am Rande bildeten sich Arbeiterbauerndörfer und auf Flächen, welche die Forstverwaltung abtrat, entstanden Bergmannskolonien.

Von dort marschierten die Bergleute zu Tausenden zu ihren im Wald gelegenen Arbeitsstätten. Deutlich konnte man den Tritt ihrer genagelten Schuhe hören. Zunächst selbst getrampelt, später vom Bergfiskus angelegt, entwickelten sich sogenannte Hartfüßlerwege, schnurgerade, aber oft beschwerliche Pfade, auf denen zu allen Tages- und Nachtzeiten Betrieb herrschte. Der Rucksäcke wegen, in denen die Bergleute Brot, Speck und Wurst transportierten, sprach der Volksmund auch von Ranzenmännern.

Die Renaissance der Bergmannspfade setzte Mitte der 1980er Jahre ein – nur nicht mehr für Berufspendler, sondern für Erholungssuchende. Wanderer entdeckten das Wegenetz für sich und fanden in Forstrevierleitern Verbündete, die Wege offen halten oder sogar wieder herstellten.

Einen davon nutzt die Initiative „Kunst im Wald“ seit 2011 für einzigartige Ausstellungen. Auch der jährlich startende Hartfüßler Trail greift für seine überregional beachteten Waldläufe gern auf die ehemaligen Bergmannspfade zurück. Auf variablen Strecken bis zur Marathon-Distanz halten mittlerweile fast eintausend SportlerInnen – haldenauf, haldenab – originell und zeitgemäß die Erinnerung an den Bergbau im Saarkohlenwald wach.

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