Waldgebiet des Jahres 2026

Meiler

Wald und Jagd – für den Adel war das Jahrhunderte lang fast ein Synonym. Das Erlegen von Wild galt als Zeitvertreib und Vergnügen. Im 18. Jahrhundert setzte zur Finanzierung der teuren Hofhaltung ein Sinneswandel ein. Nunmehr diente der herrschaftliche Wald auch wirtschaftlichen Interessen. Der fürstliche Hof exportierte Eichenstämme nach Holland oder lieferte Holz für den Ausbau von Eisenhütten und Schmelzwerken sowie kleiner, von den Bauern eingezogenen Steinkohlengruben.

Benötigt wurde Holz aber auch für die regionale Eisenerzeugung. Doch dazu musste man es zunächst ertüchtigen: es wurde zu Holzkohle veredelt. Ein gefährliches, viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl erforderliches Handwerk, für die Köhler oder Kohlebrenner von außerhalb, etwa aus Wallonien, angeworben wurden. Aufgrund des großen Bedarfs breitete sich die Holzverkohlung im herrschaftlichen Wald immer weiter aus und hinterließ dauerhaft Spuren. Bis heute sind im Saarkohlenwald an vielen Stellen waagerechte, kreisförmige Einebnungen zu finden, acht bis zehn Meter breit. Beim Graben mit dem Spaten stößt man dort unter Laub und Humus noch auf alte Holzkohlenreste.

Für die Holzmeiler rammten die Köhler zunächst drei Stangen in den Boden, der als Feuerschacht diente. Um ihn herum stapelten sie das Holz in zwei oder drei Stockwerken und deckten den Meiler anschließend mit Grassoden und Erde ab. Die Verkohlungsphase dauert circa 9 Tage, überwacht und gesteuert von den „schwarzen Männern“. Für jeden Meiler brauchte man rund vierzig Kubikmeter Holz, der Ertrag lag bei etwa 3 Tonnen Holzkohle.

Ab 1815, in der Preußischen Phase, ging die Zeit des Waldes als Brennholzlieferant langsam zu Ende. Ab Mitte des Jahrhunderts musste das dringende Nutzholzbedürfnis der Königlichen Gruben soweit als möglich mit den Erträgen der Königlichen Forsten gedeckt werden. Vehement drängte man die Köhlerei aus dem Wald, der mehr und mehr zur Ruhe kam. Die Eisenhämmer verklangen, keine Kohlenmeiler und Schmelzöfen, die qualmten. Wie vielen anderen industrienahen Waldgebieten kam dem Saarkohlewald nur noch eine vorrangige Aufgabe zu: möglichst viel möglichst wertvolles Holz zu produzieren, planmäßig und systematisch.

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