Mit der Zeit veränderte sich der Blick auf den Wald. Statt als reiner Rohstofflieferant wurde er zunehmend als Ort der Erholung für Sport- und Freizeitaktivitäten wahrgenommen. Ölkrisen lenkten den Fokus auf nachwachsende Rohstoffe; und auch die zunehmende Umweltverschmutzung trug ihren Teil dazu bei. Seit 1988 wird der saarländische Wald naturnah bewirtschaftet.
So wandelte sich der Wald vom Herrschaftswald für wenige Auserwählte zum Bürgerwald für alle - rechtlich legitimiert durch das Bundeswaldgesetz von 1975, welches das freie Betreten festschrieb. Ideen des sanften Tourismus setzten sich durch. Wildnis-Pädagogik kam auf und fand immer mehr Freunde. Die kulturhistorischen Relikte erhielten die Wertschätzung, die ihnen regionalgeschichtlich zukommt.
Bereits 1988 fand im Saarland ein Paradigmenwechsel in der Waldbewirtschaftung statt. Um stabile und artenreiche Wälder zu erhalten, verzichtete man fortan auf Kahlschlag und Chemieeinsatz. Auf flächige Befahrung mit Zugmaschinen und auf Monokulturen. Im Bereich des Steinbachtals wurden Waldbiotope zum Anschauungsobjekt. Als dann die Ausweisung von Waldschutzgebieten und Urwald zur Rede stand, griff man auf diese Waldbiotope des Steinbachtales als Auftaktgebiet zurück. Schließlich wurde 1997 eine ca. 1000 ha große Fläche zum Urwald (vor den Toren der Stadt) bestimmt. Das Herzstück des heutigen Saarkohlenwaldes. Die Waldbaurichtlinien wurden stetig der (naturnahen) Waldbewirtschaftung angepasst.
Heute haben wir im Gebiet des Saarkohlenwaldes ein dreigeteiltes Bewirtschaftungskonzept, das sich ergänzt und nicht konkurriert. In der Mitte der Urwald, der flächig aus der Bewirtschaftung genommen wurden. Im Süden die seit 1988 betriebene und ständig angepasste naturnahe Waldbewirtschaftung und im Norden die „prozessorientierte Waldwirtschaft“ die sich stark an den natürlichen Abläufen der Natur orientiert und eine möglichst geringe Störung des Waldökosystems anstrebt. Alle drei Bereiche ergänzen sich, Erkenntnisse werden ausgetauscht, Erfahrungen geteilt, mit dem Ziel einen artenreichen Dauerwald zu entwickeln. Die „prozessorientierte Waldwirtschaft“ im Revier Quierschied, bei der vor über 25 Jahren das s.g. „Lübecker Modell“ Pate stand wird in Kooperation mit dem BUND Saar fortentwickelt. Das Revier Quierschied ist zudem Teil des vom BfN geförderten Naturschutzgroßvorhabens LIK-Nord (Landschaft der Industriekultur –Nord)
Anders als früher sind die Bürger eingeladen, diesen Prozess der Veränderung aus allernächster Nähe mit zu erleben und mit zu gestalten. Was gern angenommen wird: So ist es beispielsweise in vielen Saarbrücker Familien Tradition, mit Kind und Kegel in den Forst zu fahren, um sich einen zertifizierten Weihnachtsbaum selbst zu schlagen.